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Sorgt euch um die eine Welt des einen Gottes!

Semesterabschluss mit politischer Botschaft

16 Absolventen der Bachelorstudiengänge Evangelische Religionspädagogik mit sozialarbeiterischem bzw. mit musikalischem Profil wurden im Semesterabschlussgottesdienst am 26. Januar 2017 verabschiedet.

Professorin Dr. Ina Schönberger hielt die Predigt im Festgottesdienst im Saal des Bachhauses. Thomas Wintermann überbrachte ein Grußwort und gratulierte den Absolventen im Namen des Landeskirchenamtes.

Der Rektor, Prof. Dr. Christian Kahrs, richtete in seiner Ansprache zur Übergabe der Bachelor-Urkunden ein theologisch-politisches Wort an die Absolventen und die versammelte Hochschulgemeinde:

Liebe Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiums, einen herzlichen Glückwunsch von mir zu Ihrem Abschluss.

Wer sich Bachelor nennen kann, der hat – das ist eine abendländische Tradition – eine besondere Verantwortung für das Gemeinwesen im weitesten Sinne, eine Verantwortung für die Welt. Ich glaube, diese Welt-Verantwortung sich einzuschärfen, das ist heute im Wortsinn „not-wendiger“ denn je.

Zuweilen beschleicht mich nämlich der Verdacht, dass wir in einer – ich werte – bedrohlichen Zeitenwende stehen. Zumindest erleben wir gegenwärtig eine erhebliche Verunsicherung im Umgang mit Pluralität und Globalität. Allerhand dummes Zeug wird in diesem Zusammenhang in Umlauf gesetzt.

Was hat das mit Ihnen, den Absolventen, zu tun und mit uns als Fest- und Hochschulgemeinde? Wieso betrifft es uns hier im Saale, dass die politische Großwetterlage gerade so ist, wie sie ist?

Es betrifft uns, weil das, was sich da zusammengebraut hat, ins Zentrum des christlichen Glaubens zielt, des christlichen Glaubens, wie ihn die unsere abendländische Tradition theologisch gelernt hat zu verstehen.

Wer erst einmal begriffen hat, dass das Judentum der Menschheit die Idee der „einen Welt des einen Gottes“ eingestiftet hat, und dass diese Idee vom Christentum aufgenommen und christologisch weitererzählt und später dann vom Islam in eigener Gestalt prophetisch erneut ins Spiel gebracht wurde, der kommt nicht umhin, zwei Einsichten zu realisieren:

  • Die Religionsgemeinschaften Gottes müssen untereinander einen kritischen Dialog führen und sich gemeinsam aktiv am gesellschaftlichen Diskurs über unsere politische Welt-Ordnung beteiligen.
  • Internationale Solidarität ist ein Gottesgebot. Alle politischen Positionen sind also dahingehend zu prüfen, ob sie die eine Welt des einen Gottes solidarisch achten, oder ob sie im Gegenteil nationalen oder gar völkischen Egoismus befördern.

Auf Grundlage dieser beiden Einsichten gilt es festzustellen: Die Partikularpatrioten Europas Petry, Le Pen, Wilders & Co und der Möchte-Gern-Große-Amerikaner Donald Trump unterliegen einem theologisch fundamentalen Irrtum: Weder Deutschland noch Amerika zuerst; sondern: Zuerst kommt die Verantwortung für den ganzen Erdkreis, für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Oder katholisch kurz: urbi et orbi. Die Sorge um die Stadt wird von der Sorge um den Erdkreis her verantwortet. So, und nur so wird ein Schuh draus!

Gegen die theologische Verirrung unserer aktuellen Gegenwart rufe ich einen wirklich großen Amerikaner auf, der noch wusste, was es bedeutet, Patriot in „God´s own Country“ zu sein. Was Martin Luther King 1963 in Washington vor dem Lincoln Memorial mit seiner Rede („I have a dream“) zu sagen hatte, ist gerade heute wieder von höchster Relevanz. Ich zitiere nicht, ich adaptiere:

  • Wir dürfen den Traum nicht aufgeben und auch nicht in unserem Herzen verschließen, dass alle Menschen sich der göttlichen Verheißung anvertrauen können, diese Welt sei von Gott zum Guten geschaffen und unserer Pflege anvertraut. So wahr uns Gott helfe.
  • Wir dürfen den Traum nicht aufgeben und auch nicht in unserem Herzen verschließen, dass es uns im solidarischen Verein mit der ganzen Menschheit gelingen kann, glaubhafte Vorzeichen dieser Verheißung in der Welt schon heute zu errichten. Sonst Gnade uns Gott.
  • Wir dürfen den Traum nicht aufgeben, dass endlich geglaubt werden kann, was schon von Anfang an verheißen ist: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte. Und siehe: Es war sehr gut.“ Die eine Welt des einen Gottes steht nicht zur politischen Disposition, sie ist politische Aufgabe.

Liebe Bachelor-Absolventen, die Verheißung von der guten Schöpfung des menschenfreundlichen Gottes pädagogisch wie politisch als Aufgabe anzunehmen, das liegt nun vor Ihnen. Akademische Bildung verpflichtet. Theologische allzumal. Und das gilt unabhängig davon, was Sie in der nächsten Zeit machen werden. Es gilt für Sie als religionspädagogisch studierte Zeitgenossen.

Ich hoffe, unsere Hochschule hat Sie einigermaßen auf Ihre „religionspädagogische Existenz“ vorbereitet. Wenn wir Sie jetzt entlassen, legen wir die Reputation unserer Hochschule in Ihre Hände. Machen Sie was draus, nicht um der Hochschule, sondern um der Menschen willen!


 





 

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